Cilly Buschermöhle erinnert sich

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Ausgabe: Bersenbrücker Kreisblatt Veröffentlicht am: 23.11.201

Fast 40 Jahre hat Cilly Buschermöhle den Kindergarten „Zur Freude“ gleitet, den ersten in Bersenbrück. Nun übergibt sie an Carina Haarmann aus Bramsche. Bersenbrücks Kindergartenpionierin erinnert sich:

Auch das gehört zum Kindergarten: Cilly Buschermöhle übergibt eine Spende an Otto von der Wellen vom Umunumo-Freundeskreis. Foto: Franz Buitmann/Archiv

„1973 begann ich, mit 22 Jahren, meine Arbeit als Leiterin im katholischen Kindergarten in Bersenbrück. Vorher hatte ich ein Jahr im Dammer Kindergarten als Erzieherin und zwei Jahre als Leiterin gearbeitet. Zu jung für diese Aufgabe fühlte ich mich nicht. Im Kindergarten wurde ich von der noch zuständigen Ordensschwester empfangen, die mir mitteilte, dass sie keine Erzieherin bräuchten und ich (in meinem Minirock) als Leiterin nicht infrage käme. Sie hat sich getäuscht.

In all den Jahren haben sich die Bedürfnisse der Kinder nach Liebe, Geborgenheit und Wertschätzung nicht geändert. Wohl aber die Lebenssituation einer veränderten Kindheit. Wir Erzieherinnen meinten, genau zu wissen, was Kinder wollen und brauchen. Heute werden die Kinder in die Planungen mit einbezogen, sie lernen ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern und für sich selbst auch Entscheidungen zu treffen. Ich finde, das ist eine sehr positive Entwicklung.

Auch die Elternarbeit hat sich sehr verändert. Die Eltern des Kindergartens „Zur Freude“ sind eine echte Unterstützung in der Kindergartenarbeit. Sie suchen das Gespräch, sie helfen, sie planen, sie unterstützen und versuchen mit den Erzieherinnen an gleichen Zielen zum Wohle der Kinder zu arbeiten.

In all den Jahren gab es auch bauliche Veränderungen. 1980 wurde die Turnhalle angebaut, 1986 entstand der vierte Gruppenraum, 1996 wurde eine Gruppe aufgelöst, da der Kindergarten Arche Noah neu dazukam. Der Raum wurde für die Vergrößerung der alten Gruppenräume genutzt, ein großer Ausweichraum entstand im Innenhof und der Waschraum wurde als Matschraum und Kinderküche umgebaut. Auch der Spielplatz wurde einige Male umgestaltet und vor ein paar Jahren endlich vergrößert.

Manche Erlebnisse werde ich nie vergessen. Zum Beispiel der Schwelbrand am 23. Dezember 1998. Als der Anruf vom Kindergartennachbar bei mir ankam, war ich fast schneller beim Kindergarten als die Feuerwehr! Alle Spielmaterialien mussten entsorgt werden. Und wo sollten wir bleiben? Ersatz haben wir in der ehemaligen Jugendherberge im Remter gefunden.

Trotzdem war das eine tolle Zeit. Von allen Seiten erhielten wir Unterstützung und Hilfe. Die Eltern halfen, wo sie konnten. Die Ferien mussten nur um drei Tage verlängert werden, dann lief die Arbeit wieder.

Dann gab es noch den „Telefonklau“ Plötzlich betrug die Rechnung der Telekom über 1000 DM. Der Anschlusskasten der Telekom war draußen, und irgendjemand schaltete sich mit einem Ersatzhörer auf unsere Leitung. Zu später Stunde guckte ich mit meinem Ehemann im Kindergarten vorbei.

Eines Abends war es so weit. Wir ertappten einen Mann auf frischer Tat. Vor Schreck lief ich gegen einen Laternenpfahl. Wir riefen die Polizei und nahmen die Verfolgung auf. Später unterstützten uns Polizisten, aber mit Pistolen! Den Täter aber haben wir trotzdem nicht erwischt.

Mit Herzklopfen schaue ich auf unserem Busunfall zurück. Mit 75 Kindern waren wir im Doppeldeckerbus zur Waldbühne nach Ahmsen unterwegs, als ein Kleinlaster in einer Kurve in unseren Bus raste. Geistesgegenwärtig lenkte der Fahrer, der verletzt wurde, den großen Bus eine Böschung hinunter in ein Maisfeld. Ein Mädchen hatte eine kleine Platzwunde, alle anderen blieben unverletzt.

Klar war mir in all den Jahren, dass ich nichts alleine erreichen konnte. Ein Team, das sind Erzieherinnen, die sich gegenseitig wertschätzen und den Kindern Werte vorleben, die sie vermitteln wollen. Das Glück, so ein Team zu haben, hatte ich. Ich habe einen wunderschönen Beruf, für den ich mich auch nach 42 Jahren immer wieder neu entscheiden würde.

Am Sonntag, 25. November, wird Cilly Buschermöhle offiziell verabschiedet. In der St.-Vincentius-Kirche beginnt um 10 Uhr ein Gottesdienst, anschließend ist die Gemeinde zu einem Empfang in die Aula der von-Ravensberg-Schule eingeladen. Ebenfalls verabschiedet wird der Rendant der Kindergärten, Wilfried Scherder. Sein Nachfolger ist Ralf Küthe-Zur-Lienen